Der große Londoner Bart-Boom: Als die ganze Stadt das Rasiermesser verbannte!
Warum sieht man heute eigentlich wieder an jeder Straßenecke junge Männer mit Bart? Die Gründe dafür sind vielfältig – von Modetrend bis zur Krise der Männer in einer modernen Zeit. Alte Rollenmuster lösen sich auf und viele wissen schlicht nicht mehr, wo ihr Platz ist. Alles fühlt sich diffus, weich und unklar an. Ein Bart kann dabei helfen, eine männliche Identität zu schaffen. Verblüffenderweise geht es dabei oft gar nicht um die Gunst von Frauen, sondern um die Konkurrenz unter Männern. Und genauso war es auch im viktorianischen London.
Reisen wir zurück in das London der frühen 1850er-Jahre. Jahrzehntelang galt für den britischen Gentleman ein eisernes, unumstößliches Gesetz: Das Gesicht hatte absolut glattrasiert zu sein. Höchstens schmale Koteletten waren gesellschaftlich geduldet. Ein Vollbart galt der feinen Gesellschaft als suspekt, gefährlich und unzivilisiert. Man brachte ihn mit französischen Revolutionären, politischen Umstürzlern, Landstreichern oder dubiosen Künstlern der Bohème in Verbindung. Wer etwas auf sich hielt, wer in der City of London Geschäfte machte oder im Parlament saß, griff jeden Morgen zum Rasiermesser. Doch innerhalb weniger Jahre kippte diese jahrzehntealte Gewissheit völlig. Plötzlich sprossen in den Gentlemen-Clubs der Pall Mall, in den Gerichtssälen und auf den Straßen der Metropole gewaltige, wallende Bärte.

Auslöser für diese explosionsartige Verwandlung war ein Ereignis weit entfernt von den gepflasterten Straßen der Themse-Metropole: der Krimkrieg. Als die britischen Soldaten nach Monaten eisiger Kälte, unzureichender Ausrüstung und blutiger Schlachten im Hafen von Portsmouth eintrafen und durch London marschierten, trugen sie wettergegerbte Gesichter und volle, wilde Bärte. Aus der Notwendigkeit des Überlebens im Schützengraben wurde über Nacht das strahlende Symbol von Patriotismus, Tapferkeit und heroischer Männlichkeit. Was die siegreichen Helden trugen, wollte plötzlich jeder Londoner Bürger im Gesicht tragen.
Doch der Bartwuchs-Boom war mehr als bloße Heldenverehrung. Ärzte begannen plötzlich, den Vollbart als medizinisches Schutzschild anzupreisen, das die Atemwege vor dem giftigen Londoner Kohlenrauch und gefährlichen Keimen bewahren sollte. Wie ein erbitterter Krieg im Schlamm die Rasierklingen der britischen Oberschicht verbannte und wie London in eine regelrechte Bart-Hysterie verfiel, erfahren Sie kostenlos über den Link zur Steady-Page von Puddlewick Hall.


