Puddlewick Hall ist ein Anwesen irgendwo im Nebel. Man sagt, es liege in London – doch wer es sucht, findet meist etwas anderes. Das Haus gibt sich Mühe, würdevoll zu verfallen. Ein windschiefer Turm beherbergt die Bibliothek, als hätte sich das Wissen selbst ein wenig zur Seite geneigt. Die lilafarbene Eingangstür wirkt wie ein stiller Test für Besucher: Wer hier zögert, gehört vermutlich nicht hinein. Auf Puddlewick Hall wohnen einige ausgewählte Bewohner. Menschen, die man sonst kaum trifft. Ob sie das Haus gefunden haben oder ob das Haus sie gefunden hat, bleibt offen. Sicher ist nur: Hier wirken Eigenheiten plötzlich ganz selbstverständlich.

Salon

Die Ahnengalerie in der Eingangshalle von Puddlewick Hall verrät, dass Lady Mildred Puddlewick aus gutem Hause stammt. Über ihre Vergangenheit spricht sie selten – und wenn, dann so ausweichend elegant, dass man hinterher mehr Fragen als Antworten hat. Lady Mildred ist stets tadellos gekleidet, angenehm geheimnisvoll und sammelt Geschichten aus dem viktorianischen London. Ihr engster Vertrauter ist Mr. Peabody, ein kleiner Kanarienvogel, der ihr regelmäßig ins Wort fällt, wenn sie erzählt. Er kommentiert, korrigiert und weist auf Details hin, die sie gelegentlich „fast vergessen“ hätte. Lady Mildred versteht ihn – als Einzige. Wortwörtlich.

Bibliothek

Archibald Greymoore streift durch die Bibliothek von Puddlewick Hall. Früher war er ein ausgezeichneter Schachspieler, heute ist er vornehmlich tot – was ihn jedoch keineswegs davon abhält, rege am Leben teilzunehmen. Zwischen den alten Regalen fühlt er sich ausgesprochen wohl. Archibald kennt die Literatur wie kaum ein anderer, weiß über Schriftsteller und Schriftstellerinnen ebenso Bescheid wie über ihre Eigenheiten und hat zu nahezu jeder Gelegenheit ein passendes Zitat parat. Bücher liest er nicht nur, er trägt sie vor. Mit Hingabe, mit Nachdruck und stets mit dem Gefühl, dass genau diese Geschichte jetzt gehört werden muss. Wer ihm zuhört, vergisst schnell, dass er es mit einem Geist zu tun hat – und wundert sich höchstens darüber, warum die Zeit so merkwürdig stillsteht.

Musikzimmer

Im Musikzimmer von Puddlewick Hall tritt hin und wieder Wicktoria London auf. Sie besitzt einen magischen Hut – ein bemerkenswertes Stück, auf dem eine Miniaturausgabe von Big Ben den Ton angibt, begleitet von Geigen und einem Klavier. Um den Hut schweben stets ein paar Musiknoten. Sobald Wicktoria zu singen beginnt, liefert ihr der Hut die passende Musik. Wicktoria singt von wahren Begebenheiten aus dem viktorianischen London und verleiht alten Geschichten eine Stimme, die noch lange im Raum nachklingt. Manche munkeln, sie sei eine zum Leben erweckte Statue, der ein vorbeiziehender Zauberer einst eine Seele geschenkt habe. Wicktoria selbst hält das für ein Gerücht.

Küche

Matilda Porter ist die Haushälterin und Köchin von Puddlewick Hall. Sie kennt alle Rezepte des viktorianischen London und weiß genau, was es braucht, um ein Anwesen dieses Formats am Laufen zu halten. Matilda führt den Haushalt mit ruhiger Hand und klarem Blick. Magische Geheimnisse hat sie nicht. Und genau das macht sie unverzichtbar. In einem Haus voller Merkwürdigkeiten ist sie diejenige, die Ordnung hält, den Tee serviert – und immer weiß, was sich gehört.

Garten

Im Garten von Puddlewick Hall ist Finley Mint der unangefochtene Herrscher. Er kümmert sich um die Gemüsebeete, Bäume, Büsche, Sträucher, Stauden, den kleinen Teich und das Gartenhaus. Finley kennt sich mit allem aus, was im viktorianischen London wuchs, wucherte oder bewusst angebaut wurde. Er weiß, welche Pflanzen Gesellschaft mögen, welche lieber für sich bleiben und welche man besser nicht unbeaufsichtigt lässt. Seine Kenntnisse reichen von Nutzpflanzen über Blumen bis zu jenen Gewächsen, über die man in feiner Gesellschaft lieber nicht spricht.

Tarot Society

Lucinda Velour ist eine regelmäßige Besucherin auf Puddlewick Hall. Einmal pro Woche versammelt sich auf ihre Einladung hin Lucinda’s Tea, Tarot, and Theosophy Society im Gartenhaus am Teich – weit genug entfernt von neugierigen Ohren und nah genug am Tee. Dort werden Karten gemischt und das Schicksal serviert. Lucinda ist die Vorsitzende dieses kleinen, diskreten Zirkels. Man sagt, sie könne die Zukunft aus drei Dingen lesen: aus Teeblättern, aus Tarotkarten und aus dem, was nicht gesagt wird. Dabei lächelt sie stets, als wüsste sie bereits, welche Karte gleich gezogen wird.

Friedhof

Barnaby Mossford ist der beste Freund von Lady Mildred Puddlewick und seit Ewigkeiten Friedhofswärter in London. Er spricht nicht viel, aber wenn er es tut, hören sogar die Krähen auf zu krächzen. Barnaby kennt die viktorianischen Friedhöfe wie andere ihre Nachbarschaft: jeden Grabstein, jede Inschrift, jeden Namen, der je dort stand. Er lebt zwischen Grabreihen und trinkt seinen Tee mit einem Löffel Erde. Er erzählt von echten Menschen aus dem viktorianischen London: von Leben, die still endeten oder viel zu laut, von Eigenheiten, Ideen und Schicksalen, die man nicht einfach unter Moos verschwinden lassen darf. Seine ständige Begleiterin ist die kleine Mortis, ein unsterbliches schwarzes Eichhörnchen, das ihm zugelaufen ist.

Polizei

Ein weiterer guter Freund von Lady Mildred Puddlewick ist der zwielichtige Alistair Penrose. Er sieht aus wie ein Polizist – allerdings nur ein bisschen. Genug, um Fragen aufzuwerfen, aber zu wenig, um sie zu beantworten. Ob er je für Scotland Yard gearbeitet hat, weiß nur er selbst. Man trifft Alistair oft im Kellerarchiv von Scotland Yard, zwischen staubigen Akten und alten Namen. Dort gräbt er Geschichten aus. Hat er etwas Spannendes gefunden, sucht er Puddlewick Hall auf. Dann gibt es Tee, und Alistair erzählt. Lady Mildred ist überzeugt, dass ihr Freund entweder ein Hochstapler oder ein Zeitreisender ist. Wahrscheinlich sogar beides.

Orphi Eulenforst

Autorin und Erzählerin der Geschichten rund um Puddlewick Hall ist Orphi Eulenforst.

Lady Mildred Puddlewick
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